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Eröffnung der Wanderausstellung „Jugendstrafvollzug in der DDR“

Am 21. Mai wurde die vom Verein Zeit-Geschichte(n) e.V. Halle konzipierte Wanderausstellung „Jugendstrafvollzug in der DDR" unter großem Publikumsinteresse in Merseburg eröffnet.

Nachdem zunächst der neue Leiter des Landesarchivs, Herr Dr. Ralf Lusiardi, im Rahmen seiner einführenden Worte auf die historische Bedeutung der im Landesarchiv bewahrten Archivalien sowie auf die daraus erwachsende Verantwortung des Landesarchivs zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hinwies, fokussierte sich Herr Staatssekretär Klaus Zimmermann in seinem Grußwort auf die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen für die Rehabilitierung von in der DDR erlittenen Unrecht. Besonders nahm er dabei die Regelungen des Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes (StrRehaG), des Verwaltungsrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes (VwRehaG) und des Beruflichen Rehabilitierungsgesetzes (BerRehaG) in den Blick.

Der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt, Herr Johannes Beleites, konnte in seinem Grußwort über seine persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Betroffenen, vor allem ehemaligen Heimkindern und jugendlichen Strafgefangenen, berichten und leitete hieraus die eigene Rolle des Landesbeauftragten bei Rehabilitierungsbemühungen von betroffenen Personen ab.

Den Höhepunkt des Abends bildete der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Udo Grashoff „Makarenko und die Erziehung im Jugendstrafvollzug der DDR“. Professor Grashoff ging in seinem Vortrag der Frage nach, welche Rolle die Konzepte des sowjetischen Pädagogen Anton Semjonowitsch Makarenko (1888–1939) tatsächlich bei der Etablierung und weiteren Ausgestaltung des Jugendstrafvollzuges in der DDR spielten. In den Mittelpunkt seiner Betrachtungen rückte er dabei die beiden Jugendhäuser in Dessau und Halle. Im Ergebnis konnte Professor Grashoff nicht nur konstatieren, dass die pädagogischen Konzepte Makarenkos durchaus vorbildhaften Charakter bei der Einführung des Jugendstrafvollzuges in DDR hatten, sondern auch, dass insbesondere die ersten Jahre der Existenz des Jugendhauses Dessau von diesem noch weitgehend gewaltfreien Konzept geprägt waren. Gleichredend musste er aber auch feststellen, dass die pädagogischen Konzepte Makarenkos spätestens ab Mitte der 1950er Jahre immer mehr in den Hintergrund traten, als vermehrt gewaltbereite Jugendliche den Haftalltag in den Jugendhäusern in Dessau und Halle prägten. Das ursprüngliche pädagogische Konzept der gelenkten Selbsterziehung schlug in eine von der Haftleitung tolerierte inoffizielle Häftlingshierarchieverwaltung um, bei der die stärkeren Insassen die schwächeren mit brutaler physischer Gewalt und Demütigungen unterdrückten.

Die Wanderausstellung ist noch bis 31. Juli 2026 im Rahmen der Öffnungszeiten der Abteilung Merseburg kostenfrei zu besichtigen.