Notfallvorsorge: Die Katastrophe vorausdenken...

Seit dem Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar 2004 und dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 ist das Bewusstsein für Katastrophenmanagement allgemein, insbesondere aber auch bei Archiven, gestiegen.

Zum Schutz des Archivguts in Magdeburg wurde ein Notfallverbund der öffentlichen Archive eingerichtet, bestehend aus dem Landesarchiv, dem Stadtarchiv, dem Landtagsarchiv, der Außenstelle Magdeburg des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU), dem Archiv der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen sowie dem Bistumsarchiv.

In diesem Verbund wird gemeinsam das notwendige Material für den Notfall vorgehalten und die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, dem THW sowie dem städtischem Amt für Brand- und Katastrophenschutz gebündelt. Zudem erfolgt eine gegenseitige Unterstützung bei der Erstellung von Notfallplänen. Im Ernstfall ist eine schnelle und unbürokratische Unterstützung aller Notfallpartner möglich.

Die Katastrophe kommt unangekündigt...

Abbildung Der Einsturz des Stadtarchivs Köln. Klicken zum Vergrößern.

Der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009 zeigte eindrücklich die Notwendigkeit, sich auf Notfälle vorzubereiten. Insbesondere wurde der Wert der Kartonierung deutlich, um Verunordnung des Archivguts verhindern. Auch schützten die Kartons bis zu einem gewissen Grad vor mechanischen Schäden sowie vor Feuer und Wasser.

Abbildungen in: Westfalen hilft Köln. Die Wiedergeburt eines Archivs, Stadtmuseum Münster 2014.

Materialien für die Erstversorgung - 1

Abbildung Das MEVZ. Klicken zum Vergrößern.

Im Schadensfall ist es ratsam, eine Grundausstattung an Materialien für die Erstversorgung vorrätig zu haben. Das Landesarchiv hat gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Notfallverbunds ein sogenanntes Mobiles Erstversorgungszentrum (MEVZ) beschafft, das allen im Ernstfall zur Verfügung steht.

Materialien für die Erstversorgung - 2

Hier sehen Sie einen Teil der empfohlenen Erstversorgungsmaterialien:

- Overall, Handschuhe und Atemschutzmaske als Teile der Persönlichen Schutzausrüstung bei der Notfallbewältigung

- Stretchfolie auf einem Abroller zur Verpackung nasser Unterlagen, um Verformungen zu verhindern (siehe nächster Abschnitt)

- Bleistift, Notizblock und Klebezettel zur Dokumentation der Arbeiten

Abbildung Schutzkleidung. Klicken zum Vergrößern.
Abbildung Materialien zur Dokumentation. Klicken zum Vergrößern.

In Form bleiben

Bei einem Unglück nass gewordenes Archivgut sollte so schnell wie möglich in Stretchfolie verpackt werden, damit es sich nicht verformt. Anschließend muss es eingefroren werden, damit das Papier nicht schimmelt. In einer Gefriertrocknungsanlage wird das Archivgut anschließend stabilisiert: Durch Sublimation wechselt das Wasser vom festen direkt in einen gasförmigen Aggregatzustand – das Papier ist wieder trocken.

Abbildung Gestretchte Akte. Klicken zum Vergrößern.

Übung für den Ernstfall

Zwei Übungen hat der Notfallverbund Magdeburg bereits durchgeführt. Simuliert wurden die Bergung und Erstversorgung von feuer- und wassergeschädigten Unterlagen.

Abbildung Übungen des Notfallverbundes Magdeburger Archive. Klicken zum Vergrößern.