Konservierung und Restaurierung

Konservierung

Abbildung Entsäuerung. Klicken zum Vergrößern.

Durch Alterungsprozesse verändern sich neben den chemischen auch die physikalischen Eigenschaften von Papier. Am gravierendsten ist dies bei industriell gefertigten, sauergeleimten Holzschliffpapieren zu beobachten. Verspröden, Vergilben und der Verlust mechanischer Festigkeitswerte sind die sicht- und fühlbaren Zeichen gesetzmäßig ablaufender chemischer Prozesse wie Oxidation und Hydrolyse der Papierzellulose. 29.000 laufende Meter des archivierten Aktenbestandes im Landesarchiv sind als saures Papier einzustufen und dringend einer Entsäuerung zu unterziehen. 2017 konnten immerhin 360 Meter entsäuert werden, 2018 sind erstmals mehr als 500 Meter vorgesehen. In den nächsten Jahren müssen gewaltige Anstrengungen unternommen werden, um einzigartiges Archivgut vor dem Zerfall zu bewahren.

Bei der Konservierung durch Massenentsäuerung werden mit industriell betriebenen Verfahren die im Papier befindlichen freien Säurereste neutralisiert und eine alkalische Reserve im Papier angelegt. Das bewirkt eine deutlich nachweisbare Verlangsamung des sauren Papierzerfalls mit dem Ziel, die Archivalien weiterhin im Original benutzen zu können. Zwar können wässrige oder nicht wässrige Entsäuerungsverfahren den Alterungsprozess stark verlangsamen (Konservierung), zurückgeben können sie dem Papier seine ursprüngliche Materialkondition jedoch nicht.

Herstellungsbedingte Alterung moderner Papiere (chemischer Schaden)

Abbildung Zu entsäuerndes Papier. Klicken zum Vergrößern.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich die Papierher­stellung mit dramatischen Folgen für die Haltbarkeit des Papiers. Der Einsatz von Holzschliff inklu­sive seines Lignin-Anteils, Holz­aufschlussverfahren mit chemischen Rückständen und der Einsatz von Chlor als billigem Bleichmittel führten zu einem vorgeschädigten Fasermaterial.

Der entscheidende tech­nologische Schritt hin zur industriellen Papierherstellung war die Harz-Alaun-Leimung. Doch hinterließ sie saure Rückstände, die nun umso leichter die vorgeschädigte Zellulosestruktur angriffen und weiter abbauten.

Dieser Abbauprozess lässt Papiere brüchig werden und vergilben, so dass die Archivalien dem mechanischen Stress einer Benutzung nicht mehr standhalten.

Massenentsäuerung – eine Antwort auf den säurebedingten Abbau industriell gefertigter Papiere

Abbildung Entsäuertes Papier. Klicken zum Vergrößern.

Mittlerweile gibt es mehrere marktgängige Verfahren zur Massenentsäuerung von Archiv- und Bibliotheksgut. Damit sollen die herstellungsbedingt ins Papier eingebrachten sauren Bestandteile nachträglich neutralisiert und eine alkalische Reserve im Papier angelegt werden. Mit der Entsäuerung wird eine Verlängerung der Restlebensdauer um den Faktor drei erreicht. Um den alterungsverlangsamenden Effekt nutzen zu können, sollte dieser konservatorische Eingriff möglichst frühzeitig erfolgen.

Entsäuerungsmittel

Durch lösungsmittelbasierte Entsäuerungsreagenzien lassen sich saure Bestandteile in Archiv- und Bibliotheksgut neutralisieren und eine alkalische Reserve gegen eine erneute Säurebildung anlegen. Blockentsäuerungsverfahren sind wasserfreie Flüssigphasenverfahren.

Abbildung Entsäuerungsmittel. Klicken zum Vergrößern.

Testbücher zur Massenentsäuerung

Testbücher für die Entsäuerung. Klicken zum Vergrößern.

Seit 2013 lässt das Landesarchiv systematisch Bestände im Entstehungszeitraum zwischen 1850 und 1990 entsäuern, jenem Zeitraum, in den die Produktion des sauer geleimten Papiers fällt.

Zur Qualitätskontrolle werden entsprechend einer DIN-Empfeh­lung Testbücher mit behandelt. Anhand der pH-Wert-Messung an diesen normierten, die Materialeigenschaften historischer, sauer geleimter, holzhaltiger und holzfreier Originalpapiere nachbildenden Testpapieren erfolgt die Bewertung des Behandlungser­folges.

Die Zentrale Restaurierungswerkstatt des Landesarchivs überprüft mit eigenen Oberflächen-pH-Wert-Messungen stichprobenartig die labor­technischen Untersuchungsergebnisse der Dienstleister.

Restaurierung

Die Restaurierung versucht durch spezielle Eingriffe in die Originalsubstanz mechanische Festigkeitswerte bei oft schwer geschädigten Objekten wieder aufzubauen, um deren physische Benutzbarkeit zu ermöglichen. Im Mittelpunkt steht wie bei der Konservierung immer der Erhalt der Originalsubstanz. Mit erprobten handwerklichen Verfahren und Techniken lassen sich Schäden beheben, die die Benutzung einschränken oder unmöglich machen, wie Einrisse, Fehlstellen, die Folgen von Tintenfraß, Brandschäden, Konditionsverlusten durch Versäuerung oder eines mikrobiellen Abbaus. Diese sehr arbeitsintensiven Behandlungen beschränken sich aufwandsbedingt auf Einzelstücke.

Bearbeiteter Schimmelschaden

Mit geringerem Arbeitsaufwand repariertes Archivale: partielles Einbetten schimmelgeschädigter Stellen.

Abbildung Bearbeiteter Schimmelschaden. Klicken zum Vergrößern.

Restaurierter Schimmelschaden

Aufwändigere Restaurierung mittels Papieranfaserung und anschließendem Papierspaltverfahren (Signatur: A 13, Nr. 950).

Abbildung Restaurierter Schimmelschaden. Klicken zum Vergrößern.