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Das 50-jährige Doppeljubiläum der Dessauer Franzschule und ihres Direktors David Fränkel, 1849

Quellenkritische Einordnung

Im Jahr 1849 feierte die renommierte israelitische Franzschule in Dessau den 50. Jahrestag ihres Bestehens und zugleich das 50-jährige Dienstjubiläum ihres Direktors Dr. David Fränkel. Das Jubiläumsjahr markierte einen Einschnitt für die Schule. In einem Bericht vom 26. Oktober 1849 informierte das Anhalt-Dessauische Staatsministerium Herzog Leopold Friedrich über deren Neueröffnung als Handelsschule anlässlich der am 5. November 1849 stattfindenden Feierlichkeiten. Eine beigefügte „Festordnung“ legte den Ablauf der Veranstaltung fest, in deren Rahmen insbesondere die Verdienste des langjährigen Direktors gewürdigt werden sollten.

Inhaltliche Einordnung

David Fränkel, ein Großneffe des gleichnamigen Rabbiners, gehörte zu einem Verein jüdischer Intellektueller, die 1799 nach dem Vorbild Moses Mendelssohns in Berlin eine jüdische „Frey-Schule“ in Dessau gründeten. Bis Ende des 18. Jahrhunderts beschränkte sich die traditionelle jüdische Bildung auf die Vermittlung religiöser Kenntnisse. In der 1801 fürstlich sanktionierten Freischule hingegen sollten die Schüler eine umfassende Allgemeinbildung erhalten, die sich an den Lehrmethoden bekannter Reformpädagogen orientierte. Neben Hebräisch und jüdischer Religion wurden nun auch Deutsch, moderne Fremdsprachen und naturwissenschaftliche Fächer als Voraussetzung für eine spätere Erwerbstätigkeit unterrichtet. Die Schule erwarb sich schnell einen ausgezeichneten Ruf als moderne Bildungsstätte.
Als die „Israelitische Hauptschule“ 1815 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, gewährte Herzog Franz ihr einen jährlichen staatlichen Zuschuss. Ein Jahr später wurde eine neue Schulordnung bestätigt. Die Lehranstalt durfte sich nun offiziell „Franzschule“ nennen.

Infolge der Revolution von 1848/49 erhielt die jüdische Bevölkerung von Anhalt-Dessau ihre bürgerlich-rechtliche Gleichstellung. Somit wurde jüdischen Kindern auch der Besuch staatlicher Schulen gestattet. Um den Fortbestand der Franzschule zu sichern, schlug Fränkel dem Staatsministerium ihre Umwandlung in eine staatliche Handelsschule vor. Am 8. Oktober 1849 machte das Staatsministerium die „höchst genehmigte“ neue Schuleinrichtung bekannt. Die Handelsschule nahm ihren Unterrichtsbetrieb bereits am 15. Oktober 1849 vor ihrer offiziellen Eröffnung auf.

Überlieferungsgeschichte

Das per Verordnung vom 5. April 1848 als neue oberste Verwaltungsbehörde gebildete Herzoglich Anhalt-Dessauische Staatsministerium war formal für alle Ressorts, darunter die israelitischen Kultusangelegenheiten und die Schulaufsicht, zuständig. Daher beinhaltet die Überlieferung im Bestand Z 104 Staatsministerium Dessau 1 unter anderem auch Archivalien zur Franzschule in Dessau. Die Erschließungsinformationen zu diesen und weiteren im Landesarchiv Sachsen-Anhalt verwahrten Quellen zur Geschichte der Lehranstalt sind online recherchierbar.


Die Festordnung können Sie hier herunterladen:

Z 104, Nr. 437, Bl. 45r

Z 104, Nr. 437, Bl. 45v+46r

Z 104, Nr. 437, Bl. 46v